Wulfsdorfer Spargel

Wulfsdorfer Spargel

Spargelanbau ist eine aufwendige Sache und als Dauerkultur für die Landwirtschaft eine langfristige Entscheidung. In Wulfsdorf bauen wir Spargel an, weil wir für unsere Kunden im Hofladen und auf den Märkten den Spargel aus erster Hand und besonders frisch anbieten wollen. Allerdings haben wir keine idealen Bedingungen für den Spargelanbau, denn unser Boden ist zwar sandig, aber auch steinig. Mit einer gezielten Entsteinung des Bodens wird der Spargelanbau an diesem Standort möglich. So haben wir 2010 auf der langen Dorfkoppel zunächst einen Hektar Spargel gepflanzt; inzwischen ist die Anbaufläche auf drei Hektar erweitert worden.

Die Spargeldämme werden mit einer schwarz-weißen Folie abgedeckt. Die Folie kann gedreht werden, sodass entweder die schwarze Seite oben ist oder die weiße. Damit kann man auf die Temperatur im Spargeldamm Einfluss nehmen und dadurch auf das Wachstum. Ist es am Beginn der Spargelernte noch kühl, werden die Dämme mit der schwarzen Seite nach oben abgedeckt, um eine höhere Temperatur zu erreichen. Ist es sehr heiß, oder die Nachfrage geht zurück, wird die Folie mit der weißen Seite nach oben gedreht, um das Wachstum zu verringern. Durch das Abdecken der Spargeldämme kann auch kein Beikraut wachsen, was die Ernte erheblich erleichtert. Bei der Ernte wird die Folie mit Hilfe einer selbstfahrenden "Spargelspinne" angehoben, der Spargel gestochen, und auf der Rückseite wieder auf dem Damm abgelegt. Die Folien werden eingerollt und mehrere Jahre verwendet.

Früh am Morgen wird der Spargel auf dem Feld gestochen und gleich danach in eiskaltem Wasser auf 2°C gekühlt. So gelangt er ganz frisch zu unseren Kunden.

Bei der Zubereitung kommt es darauf an, die wertvollen Inhaltsstoffe zu erhalten. So sollte violetter Spargel nur gedünstet oder gebraten werden, damit die Farbe nicht verloren geht. Weißer Spargel wird entweder stehend im Spargeltopf in wenig Wasser mit etwas Salz und Zucker gekocht oder aber vitaminschonend gedämpft.

Im Spargelanbau dominieren heute rein männlich blühende, moderne Sorten. Sie sind gezüchtet auf hohen Ertrag sowie auf einheitlich dicke, gerade Stangen mit weißen Köpfen und nicht speziell auf Geschmack.

Wir bauen auf Gut Wulfsdorf die Hybridsorte Ravel an, da sie einen guten Ertrag bringt und die Kunden auch einen günstigeren Spargel wünschen.

Überwiegend bauen wir aber samenfesten Spargel an. Neben weißem (Huchels Alpha, Schwetzinger Meisterschuss) haben wir als besondere Delikatessen auch grünen (Schneewittchen) und violetten Spargel (Burgundine). Unser Demeter-zertifizierter Spargel besticht durch Geschmack und das typische Aroma der Sorten, das je nach Standort leicht variiert. Die Stangen sind nicht immer ganz gerade und gleichmäßig, die Köpfe häufig leicht violett.

Spargelsorten

Ravel

Ravel ist eine sehr frühe, ertragreiche, rein männliche Spargelhybride mit gleichmäßigen geraden Stangen und geschlossenen Köpfen.

Huchels Alpha

Unser weißer Spargel ist die Sorte Huchels Alpha. Dies ist eine alte samenfeste mittelfrühe Spargelsorte von dem Spargelzüchter August Huchel (1889 – 1963). Huchels Alpha bietet gleichmäßige, geschmackreiche und zarte Stangen mit festen, geschlossenen Köpfen. Man erntet nicht so viel, wie bei einer Hybridsorte, aber sie hat einen ausgezeichneten Geschmack.

Schwetzinger Meisterschuss

Der Schwetzinger Meisterschuss ist eine gemischtblütige, kräftig wachsende, mittelfrühe Sorte, die sehr selten geworden ist. Sie geht zurück auf Züchtungserfolge des Schwetzinger Schlossgartenmeisters Gustav Unselt (1866 – 1924) im frühen 20. Jahrhundert, die eigentliche Sorte wurde daraus 1952 gezüchtet.

Die Spargelstangen sind mitteldick bis dick und nur selten hohl, die Köpfe schön fest und geschlossen. Der Geschmack ist besonders zart. Die Pflanzen sind langlebig und sehr krankheitstolerant, auch gegen den verbreiteten Pilz Botrytis.

Der Schwetzinger Meisterschuss wird ab 2018 in einer kleinen Menge geerntet.

Schneewittchen

Unser grüner Spargel ist die samenfeste Sorte Schneewittchen, auch eine Züchtung von August Huchel aus den 60er Jahren. Schneewittchen ist intensiv grün, wird nicht violett und hat einen zarten und aromatischen Geschmack.

Burgundine

Die violette Sorte Burgundine ist eine gemischblütige Neuzüchtung aus Frankreich. Die Stangen sind durchgehend violett und können auch roh oder im Salat gegessen werden. Violetter Spargel sollte nur gedünstet werden, beim Kochen geht die Farbe verloren, nicht jedoch das Aroma.

Violetter Spargel ist stark anthocyanhaltig. Anthocyane sind sekundäre Pflanzenstoffe, sog. Bioflavonoide, die in blauen, violetten, roten oder blauschwarzen Gemüsearten und Früchten vorkommen. Sie gehören zu den kraftvollsten Antioxidantien der Natur und schützen unsere Zellen vor Alterung und Entartung. Sie sollen Menschen vor freien Radikalen bewahren, Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen und sogar vor Krebs schützen. Beim Kochvorgang werden die Anthocyane weitgehend zerstört, deshalb empfiehlt es sich, den violetten Spargel roh zu essen oder nur vorsichtig zu dünsten.

Spargelzüchtung

Anders als bei anderen Gemüsearten gab es bei Spargel lange Zeit keine systematischen züchterischen Bemühungen. Die biologischen Eigenschaften des Spargels erschweren Züchtungserfolge, da Spargel einerseits mehrjährig ist und die Züchtung deshalb langwierig. Andererseits ist Spargel zweihäusig, weibliche und männliche Blüten entwickeln sich auf verschiedenen Pflanzen. Deshalb erfolgt zwingend eine Fremdbefruchtung, was dazu führt, dass die Selektion genetisch verbesserter Individuen nicht zu sicheren Erfolgen führt.

Die systematische Spargelzüchtung begann erst im frühen 20. Jahrhundert, zunächst in den USA durch J.B. Norton, der vorhandene Landsorten verbesserte. Auch in Deutschland wurde zu dieser Zeit mit der Züchtung begonnen. Der Schlossgartenmeister Gustav Unselt (1866 – 1924) erzielte in Schwetzingen erste Erfolge, aus dieser Züchtung ist später der Schwetzinger Meisterschuss hervorgegangen. Ein weiterer regionaler Schwerpunkt der deutschen Spargelzüchtung waren das Braunschweiger Land und die Altmark.

Erst mit August Huchel (1889-1963) wurde die Züchtung systematisiert. Ende der 1920er Jahre führte er in Osterburg/Altmark an der Sorte Ruhm von Braunschweig Untersuchungen durch, die grundlegende Erkenntnisse für die Spargelzüchtung und den Spargelanbau in Deutschland brachten. Huchel erzielte mit vielen eigenen Sorten bis in die 60er Jahre große Züchtungserfolge. Diese Sorten werden noch heute kultiviert und auch auf Gut Wulfsdorf angebaut.